Kerzenreste nicht wegwerfen: Im Wasserbad entsteht daraus eine neue Kerze
Jede Kerze brennt irgendwann herunter, und am Ende bleibt ein Rest übrig: ein Stumpf im Glas, ein Stück am Rand, ein bisschen Wachs, das sich nicht mehr anzünden lässt. Zusammen ergeben diese Reste eine Menge Material, das sich wiederverwenden lässt.
Mit einem Wasserbad schmelzen Sie das alte Wachs schonend ein und gießen es in ein sauberes Glas. Mit einem neuen Docht entsteht eine Kerze, die so schön brennt wie eine gekaufte. In dieser Anleitung erfahren Sie, wie das sicher gelingt und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Was Sie brauchen
- Kerzenreste, möglichst gleiche Wachsart (Paraffin mit Paraffin, Stearin mit Stearin)
- Einen alten Topf und ein hitzefestes Gefäß, das Sie nicht mehr für Essen brauchen, zum Beispiel eine Konservendose
- Ein sauberes Glas oder eine Tasse als Kerzenform
- Einen neuen Docht mit Metallfuß, erhältlich im Bastelladen
- Zwei Holzstäbchen oder eine Wäscheklammer zum Halten des Dochts
- Einen Löffel und eine Zange oder einen Topflappen
- Zeitungspapier als Unterlage
Die Methode Schritt für Schritt
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Reste sammeln und sortieren. Entfernen Sie alte Dochte, Metallplättchen und Verschmutzungen. Kleinere Stücke gelingen schneller. Sortieren Sie nach Farben: Helle Töne ergeben gemischt oft ein weiches Pastell, dunkle ein dunkles Ergebnis. Duftkerzen gemischt mit anderen Düften können unangenehm riechen.
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Wachs zerkleinern. Brechen oder schneiden Sie größere Reste in kleine Stücke. Wenn Wachs im Glas klebt, stellen Sie das Glas für zwei Stunden in den Gefrierschrank. Danach lässt es sich oft in einem Stück lösen. So gewinnen Sie auch die letzten Reste.
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Wasserbad vorbereiten. Stellen Sie die Konservendose in den Topf und füllen Sie so viel Wasser ein, dass sie etwa zur Hälfte im Wasser steht. Das Wachs gehört nie direkt in den Topf. Wachs darf nie direkt auf die Herdplatte, denn es kann sich entzünden.
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Wachs langsam schmelzen. Geben Sie die Wachsstücke in die Dose und erhitzen Sie das Wasser auf niedriger bis mittlerer Stufe. Rühren Sie mit einem Löffel, den Sie nicht mehr zum Kochen verwenden. Bleiben Sie die ganze Zeit in der Küche. Nach 15 bis 20 Minuten ist das Wachs flüssig.
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Docht befestigen. Kleben Sie den Metallfuß des Dochts mit einem Tropfen flüssigem Wachs auf den Boden des Glases. Legen Sie die Holzstäbchen quer über den Rand und klemmen Sie den Docht dazwischen, damit er gerade in der Mitte steht.
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Wachs vorsichtig eingießen. Nehmen Sie die Dose mit einem Topflappen aus dem Wasserbad. Gießen Sie das Wachs langsam in das Glas, auf einmal oder in zwei Portionen. Lassen Sie oben einen Zentimeter frei. Behalten Sie etwas flüssiges Wachs zurück, um später Löcher zu füllen.
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Abkühlen lassen. Lassen Sie die Kerze mindestens vier Stunden an einem ruhigen Platz auskühlen, am besten über Nacht. Stellen Sie sie nicht in den Kühlschrank, weil das Wachs sonst reißt. Entlüften Sie bei Bedarf den Rand mit einem Holzstäbchen.
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Nachgießen und Docht kürzen. Meist sinkt das Wachs in der Mitte etwas ein. Erwärmen Sie den Rest erneut und füllen Sie die Mulde auf. Danach kürzen Sie den Docht auf etwa einen Zentimeter. Jetzt ist die Kerze nach einigen Stunden bereit zum Anzünden.
Warum das funktioniert
Wachs schmilzt schon bei etwa 55 bis 70 Grad. Ein Wasserbad hält die Temperatur nahe bei 100 Grad, aber niemals darüber. Dadurch wird das Wachs gleichmäßig warm, ohne dass es raucht oder sich entzündet. Direktes Erhitzen auf der Herdplatte ist dagegen gefährlich.
Beim Abkühlen zieht sich Wachs zusammen. Deshalb entsteht oft eine kleine Mulde, die man mit einer zweiten Portion füllt. Der neue Docht sorgt dafür, dass die Kerze gleichmäßig brennt. Ein alter, verkohlter Docht würde rußen und das Wachs ungleich abbrennen lassen.
Es lohnt sich auch finanziell: Gute Duftkerzen kosten schnell zehn Euro und mehr. Aus den Resten eines Winters entstehen dagegen drei bis vier neue Kerzen, für die Sie nur den Docht kaufen. Das Glas stammt aus dem Altglas, etwa von einem Marmeladenglas, das gründlich gereinigt wurde.
Außerdem ist der Vorgang beruhigend. Das langsame Schmelzen, der Geruch von warmem Wachs und das Gießen haben etwas Meditatives. Planen Sie dafür einen ruhigen Nachmittag ein, ohne Hektik und ohne Kinder oder Haustiere, die an die heiße Dose geraten könnten.
Die häufigsten Fehler
Der gefährlichste Fehler ist, Wachs ohne Wasserbad zu erhitzen. Wenn es zu heiß wird, kann es Feuer fangen. Löschen Sie brennendes Wachs niemals mit Wasser, sondern ersticken Sie die Flammen mit einem Deckel. Halten Sie also immer einen Deckel in der Nähe bereit.
Ein zu dünner Docht ist der zweite Fehler. Brennt die Kerze nur in einem kleinen Loch herunter, ist der Docht zu schwach. Bei großen Gläsern wählen Sie einen dickeren Docht oder nehmen zwei. Ein Docht ist im Verhältnis zum Durchmesser des Glases zu wählen.
Verwenden Sie keine dünnen Gläser, die Risse bekommen können. Heißes Wachs in kaltem Glas kann es sprengen. Wärmen Sie das Glas vorher mit warmem Wasser an. Stellen Sie die fertige Kerze nie unbeaufsichtigt auf und brennen Sie sie nicht bis zum Boden ab.
Zuletzt ein Wort zum Abbrennen: Zünden Sie die fertige Kerze beim ersten Mal so lange an, bis die gesamte Oberfläche flüssig ist, meist ein bis zwei Stunden. So brennt sie nicht tunnelförmig herunter. Stellen Sie sie auf eine feuerfeste Unterlage, weit weg von Vorhängen, und lassen Sie sie nie allein brennen.
Bonus-Tipps und Varianten
Wenn Sie einen Duft möchten, geben Sie einige Tropfen Duftöl für Kerzen in das flüssige Wachs, nicht zu viel und nur das, was für Kerzen vorgesehen ist. Ein paar Gewürznelken oder getrocknete Orangenschalen auf der Oberfläche sehen hübsch aus, sollten aber nicht in die Nähe der Flamme ragen.
Aus vielen Resten gelingen auch Schwimmkerzen in Förmchen oder Teelichter in Aluschalen. Für Teelichter benötigen Sie kleine Dochte mit Plättchen. Auch ein Mix aus bunten Resten in Schichten, jede Schicht erst gegossen, wenn die vorige fest ist, ergibt Streifen.
Verschenken Sie die Kerzen mit einem kleinen Anhänger aus Papier und einem Streichholzheft. Gerade im Winter freuen sich viele über solche selbstgemachten Kleinigkeiten. Bewahren Sie neues Wachs dunkel und trocken auf, damit es nicht ausbleicht.
Noch ein Tipp zum Glas: Ein Glas mit geradem Rand lässt sich am besten befüllen. Gläser mit Verengung am Hals sind schwer zu reinigen. Und wenn die Kerze einmal aufgebraucht ist, können Sie das Glas mit heißem Wasser ausspülen und erneut füllen. So wird aus einer Kerze ein richtiger Kreislauf.
Häufige Fragen
Kann ich jede Art Kerzenwachs mischen?
Meistens ja, wenn es Paraffin- oder Stearinwachs ist. Bienenwachs und Sojawachs schmelzen anders und sollten Sie nicht mit Paraffin mischen, wenn die Kerze schön brennen soll. Besser Sie gießen jede Sorte für sich.
Wie lange dauert es, bis die Kerze fest ist?
Mindestens vier Stunden, besser über Nacht. Größere Gläser brauchen länger. Bewegen Sie die Kerze währenddessen nicht, sonst entstehen Risse oder Lufteinschlüsse. Nach dem zweiten Guss warten Sie nochmals einige Stunden.
Wo bekomme ich passende Dochte?
Im Bastelgeschäft, im Baumarkt oder im Internet. Wählen Sie die Dochtstärke passend zum Durchmesser des Glases. Im Zweifel nehmen Sie lieber einen etwas dickeren Docht, den Sie später kürzen können.
Warum riecht die Kerze beim Schmelzen so stark?
Duftkerzen geben beim Erwärmen viel Aroma ab. Mischen Sie verschiedene Düfte, kann der Geruch unangenehm sein. Lüften Sie die Küche und mischen Sie nur Wachs mit ähnlichen Düften oder ohne Duft.
Ist das Wasserbad wirklich nötig?
Ja. Es ist die sicherste Methode, Wachs zu schmelzen. Direkt auf der Platte kann das Wachs zu heiß werden und Feuer fangen. Ein Wasserbad ist schnell aufgebaut und schützt Sie und Ihren Herd.
Aus Resten wird eine neue Kerze, die den Abend gemütlich macht und nichts kostet. Arbeiten Sie ruhig und mit Wasserbad, dann gelingt es sicher.
